Erkannt?

Was den Mensch vom Tiere
trennt…

von Carl Knüpfer

 

Seit die Menschheit ihre Entwicklung dokumentiert, und wahrscheinlich auch schon eine ganze Weile davor, leben wir in der Gewissheit dem Tiere überlegen zu sein. Doch wie groß ist diese Überlegenheit und wodurch zeichnet sie sich aus?

Der wohl bedeutendste, jemals proklamierte Unterschied zwischen Mensch und Tier – die Beseeltheit – gerät durch die neusten Erkenntnisse der Verhaltensforschung ins Wanken. Denn was zeichnet die Anwesenheit einer Seele aus, welche wissenschaftlich rein gar nicht nachzuweisen ist?

Zum einen die Fähigkeit zu denken, diese wurde aber inzwischen auch oft genug anhand von Versuchen bei Tieren nachgewiesen, ja bei einigen Arten konnten sogar Träume dokumentiert werden.

Somit scheinen Tiere, zumindest aus der Sicht von René Descartes (Philosoph und Wissenschaftler des frühen 17. Jahrhunderts) – zumindest einige von ihnen – zu sein, denn für ihn galt: “Ich denke, also bin ich.”

Das Tiere denken können müssen, wurde uns relativ schnell bewusst, es ist zu offensichtlich, als dass die Wissenschaft es über Jahrhunderte hätte ignorieren können, daher widmen wir uns nunmehr dem nächsten proklamierten Unterschied zwischen Mensch und Tier, den Gefühlen:

Endlich ist die Verhaltensforschung an einem Punkt angelangt, an welchem es ihr möglich ist Gefühle – zumindest bei höheren Wirbeltieren – eindeutig nachweisen zu können. Inzwischen sind es nicht mehr nur die Heimtierbesitzer die sich sicher sind, dass ihr Hund / ihre Katze sie zu trösten versteht, dass diese in gewissem Maße mitfühlend sind. Auch führende Wissenschaftler aus dem Bereich der Verhaltensforschung sind sich inzwischen sicher: Gefühle gibt es auch bei Tieren, Schimpansen verfügen über Grundbausteine der Moral und das Sozialverhalten von Meerschweinchen ist in mancherlei Hinsicht weiter entwickelt als das Unsere, weil eindeutig friedliebender (siehe: Wie Tiere fühlen, Der Stern, Ausgabe 47, 18.11.2010).

Was bleibt nun noch, was uns vom Tiere trennt? Professorin Dr. Rita Casale, seit 2009 Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft / Theorie der Bildung an der Bergischen Universität Wuppertal, ist sich sicher, es sei die Erziehung.

Doch was genau verstehen wir unter Erziehung? Im Prinzip ist Erziehung „nur“ die gezielte / bewusste Weitergabe von kulturellen Grundlagen, wie Sozialverhalten und Sprachgebrauch um die Entwicklung des Charakters zu fördern.

Was unterscheidet nun noch genau die Erziehung eines Menschenkindes innerhalb unserer Sozialstrukturen von der eines Schimpansenjungtieres innerhalb einer Schimpansengruppe?

Auch hier werden bestimmte Sozialverhalten weitergegeben, auch hier wird der richtige Sprachgebrauch gelehrt. Bleibt zu
klären, ob die Erziehung des Affenjungtieres bewusst geschieht, oder rein instinktiv, wobei ja – wie oben bereits erwähnt – gerade bei Schimpansen sogar Grundbausteine der Moral nachgewiesen werden konnten…

Also gut, was bleibt uns jetzt noch übrig? Wir denken, Tiere auch; wir Träumen, Tiere auch; wir erziehen bewusst, Tiere erziehen bewusst oder unbewusst (?); wir erkennen uns Selbst als Individuum, auch bei einigen Tieren wurde dies unumstößlich nachgewiesen…

Was uns vom Tiere trennt ist die Kultur, könnte man meinen, aber wie bereits angedeutet, sind auch einige Tiere durchaus “kultiviert“, haben z.B. Gruppen spezifischen Sprachgebrauch (Wale, Affen, Vögel), oder benutzen einfache Werkzeuge (Menschenaffen), oder geben ihr Wissen um Heilpflanzen an ihre Nachkommen weiter (Schimpansen, Gorillas).

Es ist also nicht die Kultur die uns von Tieren trennt, zumindest nicht von allen, sondern höchstens der Grad der kulturellen Entwicklung, wobei man die menschliche Entwicklung hierbei ganz objektiv betrachten muss und dann eigentlich nur zu der Erkenntnis kommen kann, dass eine Kultur, welche ihren eigenen Nährboden zerstört, nicht als fortschrittlich, sondern höchstens als überlegen aggressiv und parasitär bezeichnet werden kann. Man sehe sich nur einmal Satellitenfotos unserer
Siedlungsgebiete bei Nacht an. Das Netz aus Lichtern und Straßen greift in einer Art und Weise ineinander über und begräbt die natürlichen Schätze unserer Umwelt mit einer Rücksichtslosigkeit, wie sie im übrigen Tierreich nur bei wenigen, deutlich kleineren Vertretern vorkommt: Bei einigen – meist parasitären – Pilzarten und bei Krebszellen.

 

Was uns – meiner Erkenntnis nach  zumindest theoretisch- vom Tiere trennt, ist das Wissen, dass alles Leben, egal wie klein, oder wie weit entwickelt, ein Teil unserer Entstehungsgeschichte ist. Erst wenn wir diese Tatsache vollständig verinnerlicht haben, einhergehend mit der Erkenntnis, dass alles was uns evolutionär sehr ähnlich ist auch sehr menschlich seien kann, erst wenn wir uns wieder daran erinnern, denn so klug waren wir einst, dass alles Leben heilig ist und auch so behandelt werden muss, egal welcher Religion man angehört, erst dann werden wir den nächsten evolutionären Schritt auf der Leiter machen können, denn nur so erleben wir den Morgen danach:

 

Der Morgen danach

.

Die Menschheit machte sich zu Nütze,

Jahrhunderte lang die Religion zur Stütze.

Doch auf der Suche nach dem Glauben,

gelang es ihr nur, sich dessen zu berauben.

Wissenschaft und Eitelkeit,

haben die Abhängigkeit geheilt!

Und so verlor die Religion,

stetig ihren Sinn,

ihren allerliebsten Sohn

und schleppt sich schleichend nun dahin.

Doch Mensch zeigt ob verlorner Treue:

Gelassenheit, statt großer Reue.

Jetzt irrt er herum durch Zeit und Raum,

völlig verloren – wie in einem Traum –

hofft nun auf den Gott im Mensch,

im Mensch der mit sich selber kämpft.

Die Krücken – haben wir fort geschmissen,

doch der Verlust – hat ein tiefes Loch gerissen.

Doch Mensch sieht Licht am Horizont,

vom Ende bleiben wir noch verschont.

Wir spüren, wir müssen dringend erwachen,

und wissen instinktiv – wir werden es schaffen.

 

Aller Zweifel wird nun aus dem Weg geräumt,

denn wir haben wahrlich lange genug geträumt.

 

Wir sind erwacht und wie hypnotisiert,

noch ahnen wir nur was mit uns passiert,

wir wissen nun, die wahre Göttlichkeit,

ist alles und jedes was auf der Erde weilt.

 

Unsere Rettung ist nun nicht mehr weit,

denn sie schlummert in Natur und Natürlichkeit,

 

– im kleinen Rest davon, der uns noch bleibt.

 

Der Segen und zugleich der Fluch des Menschen ist es, nur zu glauben was er unwiderruflich zu wissen meint.

 

Und darin liegt der weitaus bedeutendere Unterschied zwischen Mensch und Tier, zumindest soweit wir wissen:

Wir sind uns unserer Handlungen in der Regel bewusst, wir können uns selbst rückblickend beurteilen, unser Handeln auswerten und unsere Zukunft aktiv planen.

Wir haben all das in Händen, was unseren Verwandten fehlt: Die Möglichkeit alles Leben, nicht nur das unsere, bewusst zu schützen, aber eben auch die Möglichkeit aktiv und leider auch oft bewusst, dieses zu beenden…

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